DSLV - Deutscher Sportlehrer Verband e.V.

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Stellungnahme des DSLV Präsidenten anlässlich der Gründung des Heidelberger Zentrums für Dopingprävention - 10.10.2007

11.10.2007

Als Vertreter des DSLV mit seinen fast 12.000 Mitgliedern, die in 16 Landesverbänden und mehreren Fachsportlehrerverbänden organisiert sind bedanke ich mich für die Einladung und für die Möglichkeit, hier die Thematik der Dopingprävention aus der Sicht des Schulsports kurz darstellen zu können.

In allen neuen Lehrplänen der Bundesländer wird dem Schulsport ein Doppelauftrag gegeben: Erziehung zum Sport und Erziehung durch Sport.

Erziehung zum Sport bedeutet, dass es Sportunterricht und Schulsport, möglichst in Kooperation mit dem Vereinssport gelingen sollte, dass Kinder und Jugendliche so viel Freude und positive Erlebnisse durch körperliche Aktivität erleben können, dass sie Bewegung, Spiel und Sport später als Erwachsene als festen Bestandteil in ihren Lebensentwurf integrieren. Dabei ist es weniger wichtig, welche Sportart oder Betätigung dies später sein wird.

Erziehung durch Sport bedeutet, dass durch die sportliche Betätigung auch eine Werteerziehung erfolgen sollte, hierzu gehört die Fähigkeit, sich Leistungsanforderungen zu stellen, die Entwicklung des Bewusstsein, dass nur regelmäßige Aktivität zu Leistungsverbesserung führt, im Team kooperationsfähig zu sein, sportliche Fairness zu leben und zu erleben und auch schwächere Mitschüler akzeptieren und integrieren zu können, nur um einige zu nennen.

Meine Vorredner haben auf die Notwendigkeit der Dopingprävention zur Vermeidung des Sportbetrugs im Wettkampfsport bereits ausführlich hingewiesen. Hierzu hat sich auch der DSLV in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geäußert.

Ich möchte mich deshalb auf einen weiteren Aspekt konzentrieren, der im öffentlichen Bewusstsein bisher kaum thematisiert wurde, der aber auch zum Aufgabenfeld aller Sportlehrer zählt:

In mehreren Untersuchung an meinem Institut in Landau, die nicht leicht durchzuführen waren, weil wir hier anonymisiert Daten von Personen erheben mussten, die sich im kriminellen Bereich bewegen, konnten wir feststellen, dass nicht nur bei ambitionierten Bodybuildern, sondern zunehmend bei jugendlichen, männlichen Besuchern von Fitnessstudios die Gefahr besteht, dass sie ihr angestrebtes Ziel des Aufbaus von Muskelmasse mittels verbotener Präparate beschleunigen oder unterstützen möchten. Es handelt sich hierbei oft nicht um traditionelle „Sportler“, sondern um einen Personenkreis, der Muskelaufbautraining nicht aus Gesundheitsgründen oder wegen des sportlichen Erfolgs betreibt, sondern lediglich, um die körperliche Attraktivität zu steigern. Diese Attraktivität wird durch bestimmte Medien, die wir alle kennen – von Men’s Health über Fit for Fun usw. oder Idole der Pop-Kultur propagiert und es wird eine gestylter Körper gefordert, um die Chancen auf dem Markt der Partnerschaftswahl zu erhöhen. Ich denke hier auch an den sehr lesenswerten Roman von John von Düffel mit dem bezeichnenden Titel „Ego“.

Die unkontrollierte, von Dealern oder über das Internet vertriebene und gegen das Medikamentengesetz verstoßende Einnahme von Muskelaufbaupräparaten mit den Risiken gesundheitsschädigender Nebenwirkungen im Kontext von Fitnessstudios wird bisher kaum thematisiert. Häufig sind solche Praktiken den Betreibern von Fitnessstudios nicht bekannt, werden aber glücklicherweise fast überall nicht geduldet.

Hier sind Sportlehrer ebenso wie Fitnesstrainer aufgefordert, möglichst umfassende und systematisch Aufklärungsarbeit zu leisten. In Ermangelung eines eigenen Schulfachs „Gesundheitserziehung“ sind Sportlehrer fachübergreifend in Kooperation mit dem Biologielehrer gefordert, auf die gesundheitlichen Risiken des Medikamenten- bzw. Substanzen-Missbrauchs hinzuweisen und präventiv aufzuklären.

Genau hierfür erhofft sich der Sportlehrerverband ergänzende und altersgerecht aufbereitete Materialien durch das neu gegründete Zentrum meines ehemaligen Kollegen Gerhard Treutlein.

Wir wünschen uns aber auch, dass seine Arbeit durch die Kommission Sport der Kultusministerkonferenz unterstützt wird, unabhängig davon, ob in den einzelnen Bundesländern an eigene Weiterbildungsmaterialien oder Weiterbildungsmaßnahmen gedacht wird.

Auf unserem nächstjährigen Bundeskongress am 24. und 25. Mai an der Sporthochschule in Köln werden wir diese Thematik jedenfalls ausführlich in einem Arbeitskreis behandeln und ich hoffe, dass Gerhard Treutlein und seine Mitarbeiter dann ergänzend zu den bereits bestehenden Materialien der DSJ dann auch bereits eigene, neue Handreichungen vorstellen kann.

Der DSLV wünscht ihm viel Erfolg bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe und hofft auf eine gut gelingende Kooperation.