DSLV - Deutscher Sportlehrer Verband e.V.

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Zur aktuellen Diskussion um den Sportunterricht in der Grundschule

16.12.2008

Zur aktuellen Diskussion um den Sportunterricht in der Grundschule


Prof. Dr. Udo Hanke

Präsident des DSLV-Bundesverbands

 

Auf der Tagung der Kultusministerkonferenz wurden am 16.10.2008 in Saarbrücken nicht nur die Studienfachprofile für die Sekundarstufe I und II ausgiebig diskutiert und als „Empfehlungen“ für die Bundesländer verabschiedet, sondern auch ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Lehrämter an Grundschulen festgelegt.

Letztere Festlegung hat zwischenzeitlich eine heftige Gegenreaktion durch den DOSB, die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) sowie durch den Leiter der Sektion Sportpädagogik in der dvs hervorgerufen.

Diese öffentlichen Reaktionen veranlassten den DSLV-Präsidenten dazu, in direkten Gesprächen mit dem Leiter der Kommission Sport der KMK, Staatssekretär Jungkamp (Potsdam), sowie dem Vorsitzenden der KMK - Arbeitsgruppe „Inhaltliche Anforderungen an das Lehramtsstudium“, Prof. Dr. Saterdag (Regierungsbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz für die Reform der Lehrerbildung) ausführliche Gespräche zu führen mit dem Ziel, den tatsächlichen Sachverhalt aus erster Hand zu erfahren und klarzustellen.

Diese Gespräche führten dazu, dass Prof. Dr. Saterdag nach Rücksprache mit Herrn Jungkamp und in Absprache mit dem DSLV-Präsidenten am 12.12.2008 eine schriftliche Erläuterung zu den Fachprofilen „Grundschulbildung und Sport“ verfasste, die im vollen Wortlaut nachfolgend angefügt ist.

Wichtigster Kernpunkt dieser Erläuterungen ist die Aussage, dass die, für alle Grundschulpädagogik - Studierenden vorgesehene Einführung einer Verbindung der Fächer Kunst, Musik und Bewegung im Bereich „Ästhetische Bildung“ keinerlei Einfluss auf die Ausbildung von Fachlehrern (z.B. in Deutsch, Mathematik oder Sport) für den Grundschulbereich hat und deshalb der reguläre Sportunterricht mit den durch die jeweiligen Bundesländer festgelegten Stundenvolumina von dieser Regelung nicht tangiert ist.

Offiziell verlautete auch, dass durch diese KMK-Empfehlungen eine Verbesserung eintritt, weil nun jeder Grundschullehrer/jede Grundschullehrerin sich im Rahmen der B. Ed. bzw. M. Ed. Ausbildung nun zumindest rudimentär mit Bewegungserziehung befassen muss, wobei die Semesterwochenstunden bzw. Credit Points von Bundesland zu Bundesland weiterhin variieren. Damit wird der Ansatz einer „Bewegten Schule“ nun fester Bestandteil der universitären Ausbildung von Grundschulpädagogen, also von „Nicht-Fachlehrern Sport“, bei gleichzeitigem Fortbestand  der Ausbildung zum Grundschul-Sportlehrer. Auch eine Gefährdung für den Fortbestand der dritten Sportstunde kann nicht gesehen werden. Mit Blick auf die Daten im „Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht hat sich die Sportministerkonferenz am 8.12.2008 in Warnemünde für eine Ausweitung der Sport- und Bewegungsangebote in Grund- und Vorschulen durch qualifiziertes Fachpersonal ausgesprochen und einer Reduktion auf nur zwei Wochenstunden Sportunterricht eine eindeutige Absage erteilt.

Nachfolgend die Erläuterungen von Prof. Dr. Saterdag vom 12.12.2008:

 

Prof. Dr. Hermann Saterdag 12.12.2008

Der Regierungsbeauftragte für die Reform

der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

 

Kultusministerkonferenz:

Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen im Lehramtsstudium

Erläuterungen zu den Fachprofilen Grundschulbildung und Sport

 

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrem Beschluss zu ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen im Lehramtsstudium vom 16.10.2008 in Saarbrücken auch Anforderungen für die Lehrämter an Grundschulen gesetzt.

Diese enthalten das Studienfachprofil Grundschulbildung1, das als integratives Fachkonzept über die verschiedenen Bereiche primarstufenbezogener Inhalte angelegt ist. Die mit diesem Studienfach angestrebten Kompetenzen und Inhalte sind als Mindestanforderungen für das Studium der im Grundschullehramt jeweils relevanten Studienbereiche zu verstehen. Wie für alle Fachprofile gilt auch für Grundschulbildung, dass die Länder und die Universitäten innerhalb des jeweils definierten Rahmens selbst Schwerpunkte und Differenzierungen, aber auch zusätzliche Anforderungen festlegen können.

Das Fachprofil Grundschulbildung zielt darauf, dass ganzheitliches Unterrichten, das in den ersten Klassenstufen oft nicht auf einzelne Fächer aufgegliedert werden kann, über alle grundschulbezogenen Bereiche hinweg möglich ist, d.h. eine breite Grundqualifikation der Lehrerinnen und Lehrer voraussetzen muss. Darin realisiert sich das sog. Klassenlehrerprinzip. Die Verbindung der Bereiche Kunst, Musik und Bewegung in einem Studienbereich ist gerichtet auf die spezifisch kindlichen Wahrnehmungs- und Körpererfahrungen und der ästhetisch-körperlichen Ausdrucksweisen als bildendes Aneignen der kindlichen Selbst- und Weltsicht und soll produktiv für den Unterrichtsprozess genutzt werden.

Ergänzend zu diesem ganzheitlichen Ansatz kommt das Fachlehrerprinzip zum Zuge, bei dem einzelne Fächer von Lehrern/innen mit entsprechendem lehramtsbezogenen Fachstudium (also z.B. Deutsch, Mathematik, Geographie oder Sport) unterrichtet werden.

Das Studium für das primarstufenbezogenen Lehramt unterscheidet sich strukturell zwischen einzelnen Ländern. So umfasst das Studium für das Lehramt an Grundschulen in dem einen Bundesland das Fach Grundschulbildung sowie zwei weitere Fächer (z.B. Deutsch und Sport); in anderen Ländern wird Grundschulbildung mit einem Fach (z.B. Sport oder Mathematik) kombiniert und wiederum in anderen Ländern sind ausgehend vom Fach Grundschulbildung umfassende Vertiefungen in einzelnen Studienbereichen mit den Maßgaben eines lehramtsbezogenen Fachstudiums vorgesehen.

Das von der Kultusministerkonferenz verabschiedete Fachprofil Sport umfasst alle Inhalte, die das Gegenstandsfeld „Bewegung, Spiel und Sport" für die schulische Tätigkeit theoretisch fundieren, reflektieren und didaktisch aufbereiten, grundlegende und vertiefende Bewegungskompetenz vermitteln sowie die zukünftigen Sportlehrerinnen und -lehrer mit Vermittlungskompetenzen ausstatten. Studienabsolventinnen und –absolventen verfügen über die grundlegenden und weiterführenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im fachwissenschaftlichen und motorischen sowie fachdidaktischen Bereich, die notwendig sind, um in Verbindung mit dem Vorbereitungsdienst das Schulfach Sport unterrichten zu können.

 

1

Mehr oder weniger gleichbedeutend werden auch die Fachbezeichnungen Grundschulpädagogik oder primarstufenbezogene

Studienfächer verwendet.